Hauptmenü
Graphologie
Graphologie ist ein im Alltag gebräuchlicher Begriff, doch müsste genauer von Schriftpsychologie gesprochen werden.
Graphologie
Schon aus dem antiken Griechenland und Rom sind Texte überliefert, welche auf charakteristische Merkmale in Handschriften aufmerksam machen. In Renaissance und Aufklärung wurden die Naturwissenschaften besonders gepflegt, daneben auch das Kulturgut aus der Antike. Beobachten, Sammeln, Protokollieren und Ordnen bildeten die Basis für die modernen Wissenschaften wie beispielsweise die Medizin. Systematiken wie jene von Linné sind noch heute verbindlich: die lateinischen Pflanzennamen gehen auf seine Erkenntnisse zurück und in Analogie dazu wurde auch die Tierwelt entsprechend katalogisiert.
Für die Chinesen ist es selbstverständlich, dass eine Handschrift Rückschlüsse auf die schreibende Person zulässt.
Aufgeschlossene und interessierte Persönlichkeiten der europäischen Kultur interessierten sich häufig für die Handschriften. Von Johann Wolfgang von Goethe und seinem zürcherischen Freund Johann Caspar Lavater ist ein schriftlicher Austausch über entsprechende Beobachtungen erhalten.
Die moderne Graphologie hat ihren Ursprung im Frankreich. Ein Geistlicher, Abbé Michon, sammelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts systematisch Handschriften und notierte seine Beobachtungen dazu. Von ihm stammt auch die Bezeichnung "Graphologie".
Schriftpsychologie
Michon hatte zahlreiche Nachfolger und auch in Deutschland interessierte man sich vermehrt für die Wissenschaft der Handschriftendeutung. Vor allem Mediziner und Naturwissenschafter sahen darin Möglichkeiten, die eigenen Diagnostikmöglichkeiten auszuweiten und zu ergänzen.
Bald wurde jedoch klar, dass die "Kochbuchgraphologie" (ein bestimmtes Zeichen weist auf eine bestimmte Eigenschaft hin) nicht funktionieren kann. Vermehrt wurden auch Erkenntnisse der Psychologie (damals noch stärker mit der Medizin verbunden als heute) beigezogen. Untersuchungen und Testmethoden wurden entwickelt und verfeinert. Dieser Prozess hält auch heute noch an, sodass die Diagnosemöglichkeiten zahlreicher und die Aussagen zunehmend präziser wurden.
Die Schriftpsychologie (in der Umgangssprache ist nach wie vor "Graphologie" als Synonym gebräuchlich) zieht Erkenntnisse aus der Bewegungs- und Hirnphysiologie bei, ebenso bilden Psychologie, Tiefenpsychologie und Ausdruckskunde die Grundlage zu unserer Tätigkeit.
Verwandte Gebiete
Ebenfalls mit Handschriften befasst sich die forensische Schriftuntersuchung: Dokumente werden auf ihre Echtheit hin überprüft. Dies geschieht vor allem mit speziellen physikalischen Methoden, z. B. mit UV-Licht oder mit chemischen Analysen der Schreibflüssigkeit (Tinte, Paste, Gel usw.) Schriftsachverständige arbeiten häufig in Polizeiabteilungen.
Ein Sondergebiet ist auch die Graphotherapie: Mittels ganz gezielter Übungen können Bewegungsabläufe trainiert werden, die schliesslich auch therapeutische Wirkung haben.
Mehr über das Themenspektrum sowie zahlreiche Publikationen finden Sie auf www.grafologie.ch
Zurück zur Startseite
© 1999 - 2010
Aktualisiert 1. August 2010